Premiere gibt die letzte Vorstellung
Bei der Premiere Fernsehen GmbH & Co. KG aus Unterföhring bei München hat man derzeit wenig zu lachen. Immer wieder kämpfte man gegen die angeblich vielen Schwarzseher und investierte fortwährend in neue Verschlüsselungsmethoden. Noch vor wenigen Wochen hatte man eine Umsatzwarnung ausgesprochen, weil angeblich durch die vielen Schwarzseher und Cracker der Umsatz nicht den zu erwartenden Gewinnen entsprechen würde. Wie erst jetzt vor wenigen Tagen bekannt wurde, liegen bei Premiere ganz andere Leichen im Keller. Man hatte über Jahre die Zahlen der Abonnenten geschönt.
Der Beschiss begann laut Focus wohl bereits vor dem Börsengang im März 2005. Über 16.000 Kunden hatten eine zusätzliche Smartcard fürs Kinderzimmer erhalten. Diese kostenlosen Kinderabos wurden allerdings als vollwertige Abos gezählt. Im Dezember 2004 lieferte man für Mitarbeiter und Freunde von Neckermann über 10.000 Abos; natürlich auch hier als reguläre Abos gezählt, ob die Karten jemals aktiviert wurden oder nicht. Auch die fast 12.000 Abos für Hotels wurden als vollwertige Kunden gezählt - wenn auch die Hotelliers “gemäß Auslastung” nur 60 Prozent der normalen Abogebühren zahlen brauchten. Auch die ca. 10.000 Sportbars erhielten kostenlose Musikpakete für 12 Monate, welche ebenfalls als normale Abos in die Statistiken eingingen. Und an die Mitarbeiter der HypoVereinsbank wurden 15.000 Abo-Pakete verschenkt. Erschwerend bei den Abos für die Hypo-Mitarbeiter kommt hinzu, dass die Bank beim Börsengang Konsortialführer war. Man versucht mit diesem halb illegalen Schritt die Statistik des Unternehmens zu verbessern.
Und nun steht Premiere vor dem selbst verursachten Scherbenhaufen. Man denkt an einen Ausstieg aus der Börse, hat den Marketingvorstand entlassen und kämoft mit der Finanzaufsicht. Die Premiere-Aktie lag vor zwei Monaten noch bei ca. 12 Euro. Derzeit dümpelt sie bei wohl realistischen 2,50 Euro rum. Ein Verlust von knappen 80 Prozent ist bitter für ein börsennotiertes Unternehmen, doch die Schuld kann man in diesem Fall an niemand anderen weiterschieben. Nicht einmal die angeblich vielen Schwarzseher sind derzeit ein Thema.
Ich habe mich schon immer gefragt, wer so viel Zeit hat, sich ein Premiere-Abo zu leisten. Das Angebot der Filme ist unattraktiv, die Preise sind hoch und der Markt an DVD-Angeboten und werbefreien Filmen (bei den Öffentlich-Rechtlichen) ist in Deutschland fast unüberschaubar. Wozu dann noch ein Premiere-Abo? Von den doch wenigen sportfanatischen Fußball- oder Formel1-Interessierten kann man als Bezahlsender nicht leben. Für den Rest lohnt sich Premiere nicht sonderlich. Das sah man bei Premiere wohl ähnlich und began mit der Frisierung der Abo-Zahlen. Schießlich muss man als attraktiv glänzen, möchte man an die Börse. Jetzt wird im Hintergrund wild gerechnet, wie viele wirkliche Abonnenten man nun hat.
Die 3,55 Millionen Kunden galten schon lange Zeit als pure Utopie. Dies würde bedeuten, dass ca. in jeden siebten Haushalt hätte ein Premiere-Decoder stehen müssen. Bei der Betrachtung in meinem privaten Umfeld komme ich hingegen zu einem ganz anderen Ergebnis. Die netten Premiere-Vorstände hatte wohl zu sehr die Gier gepackt und man ist mit den Zahlen weit übers Ziel hinaus geschossen. Nach Neuberechnungen kommt man bei Premiere nun nur noch auf 2,4 Millionen Abonnenten.
Es ist eine nur Frage der Zeit, wie lange der Hauptfinanzier Robert Murdoch noch an dem Pleite-Sender festhalten wird. Das Wehklagen wird sich wahrscheinlich in Grenzen halten, denn so richtig wird Premiere keiner vermissen. Es gibt für alles Premieren - auch beim “Premieren”-Sender schlechthin.
82 Prozent glotzten am Freitag Mainstream-TV
Die Einschaltquote ist ein medialer Schmarrn, an welche prinzipiell nur noch die TV-Sender glauben. Und die tun dies auch nur unfreiwillig, da die werbende Wirtschaft irgendwelche Zahlen sehen will. Also präsentiert man täglich die Einschaltquoten, ermittelt durch die GfK.
Letzten Freitag, Tag der Deutschen Einheit, schauten angeblich 82 Prozent der 14- bis 49-Jährigen einen der 5 Sender:
- RTL, Mario Barth live aus dem Olympiastadion Berlin: 25,2 Prozent
- ProSieben, Krieg der Sterne: 18,9 Prozent
- Sat.1, Findet Nemo: 17,6 Prozent
- ARD, Das Leben der Anderen: 13,3 Prozent
- ZDF, Der Kommissar und das Meer: 7,3 Prozent
Der Rest aus der Gruppe der “jungen Zuschauer” popelte eventuell beim Sehen des Musikantendampfers auf dem MDR in der Nase oder schlief beim Eurosport-Snooker-Turnier ein. Seih es drum. Wenn die Werbeindustrie sich daran erfreuen kann, soll man ihnen diese nichtssagenden Zahlen lassen.
Erschreckender ist da eine andere Tatsache. 3,05 Millionen TV-Zuschauer konnten sich für das Programm von RTL erwärmen. Über 3 Millionen Deutsche verfolgten die flachen Kalauer und unterirdischen Frauenwitze des Mario Barth. Über 3 Millionen interessieren sich lieber für einfache Kost und lachen über ihre eigene Simplizität. Da ist die geschönte Statistik der Einschaltquote lebensächlich.
Die neue Bundesrepublik ist volljährig
Und ab der Volljährigkeit sollte man eigentlich die staatliche Unterstützung (Kindergeld) reduzieren oder gar ganz einstellen. Wir alle im wiedervereinigten Deutschland zahlen - 18 Jahre nach dem Zusammenschluss aus BRD und DDR - immer noch brav den sogenannten Soli (Solidaritätszuschlag). Wozu? Vor allem blühen die meisten ostdeutschen Gegenden mittlerweile stärker als manch brachliegende westdeutsche Ecke.
Fahren Sie mal nach Leipzig. Von der Infrastruktur könnte es diese 500.000 Einwohner zählende Kleinmetropole locker mit Berlin aufnehmen. Oder schauen Sie sich mal rund um Dresden an, was dort gebaut und gebuddelt wurde. Auch kleinere Städte wie Lutherstadt-Wittenberg wurden “aufgemöbelt”. Und dann machen Sie mal als Kontrastprogramm einen Ausflug nach bspw. Kaiserslautern. Niedergang West auf der linken Seite und blühende Landschaften im östlichen Teil der Bundesrepublik.
12,4 Milliarden Euro betrug das Steueraufkommen durch den Soli im Jahr 2007. Da der Solidaritätszuschlag prozentual an das Einkommen gekoppelt ist, derzeit 5,5 % der Einkommensteuer, sind mit steigenden Löhnen auch höhere Einnahmen beim Soli zu erwarten. Wenn man den Soli nun abschaffen sollte, fehlen in den Staatskassen die vielen Milliarden leicht kassiertes Geld. Jetzt könnte man sagen: macht doch nichts, der Soli war ja nur für den Aufbau Ost gedacht und dies ist mittlerweile vollbracht.
So einfach ist die Lage leider nicht. Denn viele Milliarden des Soli sind im allgemeinen Bundeshaushalt verteilt - sind sie somit nicht mehr direkt zweckgebunden. Aus diesem Grund sind auch schon etliche Gerichtsverfahren anhängig. Viele Bundesbürger klagen gegen den Staat, weil er eine ursprüngliche direkte Steuer mittlerweile zum Stopfen der unterschiedlichsten Steuerlöcher benutzt.
Sollte man den Soli abschaffen, musst der Staat notgedrungen an anderer Stelle sparen oder andere Steuern und Abgaben erhöhen. Richtig wäre auf jeden Fall, den Namen Soli endgültig zu beerdigen. Zum einen weil mit den Steuereinnahmen mitterweile alles andere finanziert wird und zu anderen weil es für volljährige Republiken es sich nicht schickt, sich selbst immer noch Aufbauhilfe zu gewähren.
Neue GEZ-Verschwendung: www.wetten-dass.com
Die Gralshüter des üppigen GEZ-Schatzes, schaffen es immer wieder mit neuen Projekten zu überraschen. Seit wenigen Tagen gibt es das Internet-Angebot der ZDF-Show Wetten-dass..?. Unter www.wetten-dass.com finden sich Informationen zur Show, zum Magazin und zu den Stars der Show. Zudem gibt es Möglichkeiten zum Ticket-Kauf, ein Online-Shopping von diversen Artikeln und noch viele weitere Angebote .. sowie massenhaft Werbung.
Und wer finanziert das Ganze? Der Gebührenzahler des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Der Herausgeber von wetten-dass.com ist kein Geringerer als die Dolce Media GmbH und deren Geschäftsführer widerrum ist kein Geringerer als der Bruder von Thomas Gottschalk: Christoph Gottschalk. Zudem ist das ZDF-Tochterunternehmen ZDF Enterprises an der Dolce Media beteiligt. Und Christoph Gottschalk ist nebenbei, ganz zufällig, auch der Produzent der Spielshow Wetten-Dass. Alles nur purer Zufall oder wird da Vetterchenwirtschaft par excelence gemacht?
Die Firma Dolce Media GmbH hat dem ZDF die Rechte an der Sendung Wetten- dass abgekauft und mittlerweile international vermarktet. Der Gebührenzahler finanziert wohl die Sendung, aber die Gewinne daran streichen sich andere ein!? Macht ja nichts. Die Öffentlich-Rechtlichen dürfen eh keine Gewinne machen. Das ZDF ist zudem nur Partner von Wette-Dass. Daher stellt auch das ZDF seinen Name-Server für www.wetten-dass.com zur Verfügung.
Normalerweise dürfen die Sender nur programmbegleitendes Material ins Internet stellen. Doch mit diesem Gottschalk-Kniff kann man Wetten-Dass zu einem werbefinanzierten Haufen umfunktionieren. Dies ist nicht nur traurig sondern auch beschämend für alle GEZ-Zahler, wie schamlos man ihre Gebühren verbrennt. Aber man braucht keine Träne vergießen, schließlich wird Wetten-Dass ausschließlich durch die Gottschalk-Brüder finanziert. Was für eine spendable Tat.
Experten im Gewinne generieren sind sie alle. Doch bei der Technik sitzen derzeit wohl Aushilfskräfte. Wenn man www.bravo-chat.de eingibt, landet man auf der selben Website zu Wetten-Dass. Wetten, daß dem Gebührenzahler die Gottschalk-Tour gar nicht in dieser Form bewusst ist?
Alle Terrorverdächtige festnehmen. Sind alles Terroristen.
Wie paranoid sind unsere Staatsorgane mittlerweile drauf, dass sie jeden Terrorverdächtigen mittlerweile erst einmal festnehmen müssen? Was möchte dem Volk damit demonstrieren? Der BND oder Zoll findet sie alle? Polizei und BKA finden auch noch den blindesten Terroristen unter den immigrierten Ausländern? Wie wäre es mit dem etwas radikalen aber dafür gründlichen Vorschlag: Alle festnehmen und einsperren. Sind eh alles nur Terroristen.
Letzten Freitag wurden am Flughafen Köln-Bonn in einer spektakulären Aktion zwei Terrorverdächtige festgenommen: Omar D. (ein in Mogadischu geborener Immigrant) und sein Freund Abdirazak B. (Deutsch-Somalier). Beiden wird vorgeworfen, sie wollten sich auf eine Reise nach Afghanistan machen um dort im Dschihad einen Selbstmord-Kurs zu besuchen. Die Befürchtungen der Kölner Polizei war, dass sie danach als Selbstmordattentäter zurückkehren würden. Bis dato sitzen die beiden jungen Männer in der Justizvollzugsanstalt Köln in Untersuchungshaft.
Mittlerweile stellt sich immer mehr heraus, dass es sich eventuell um ein Versehen handeln könnte. Einer der Festgenommenen hatte einen Liebesbrief und zwei SMS von seiner Freundin bekommen. Der Inhalt erinnerte an einen Abschied für immer. Doch angeblich verabschieden sich die beiden öfters auf solch spektakuläre Weise, zumal sie räumlich getrennt leben. Ansonsten ist die Lage der Indizien ziemlich dünn. Doch man ging bei der Staatsanwaltschaft wohl auf Nummer sicher und hat eiligst den Haftbefehl ausgestellt.
Es ist nicht so, dass ich die Arbeit der deutschen Polizei und des Staatsschutzes nicht zu schätzen wüsste. Doch manchmal beschleicht mich das Gefühl, ganz oben sitzt ein Schäuble-Speichellecker, der von einem Roboter angetrieben wird. Einzig Handlung: alle 5 Minuten das Wort “Terror” sagen.
Mir waren die Festnahmen vom letzten Freitag schon von der ersten Minute an suspekt. Aber wenn man sich auf die Seite eines angeblichen Terrorverdächtigen stellt, gilt man in Deutschland mittlerweile selbst als Terror-Symphatisant.
“Sind wir alle ein bisschen Terror?”
Ich frage mich, wo das noch hinführen soll. Schwupps erwähnt ein Halb-Deutsch-Türke-Ausländer das Wort Selbstmord oder Dschihad, zack wird er bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit von der Polizei aus dem Verkehr gezogen. Wenn wir nur ständig so gründlich wären. Was ist mit den Amokläufer, welcher mit dem Messer auf seine Frau losgehen? Den kann man leider nicht lange festhalten, er hat seine Frau ja noch nicht umgebracht. Und was ist mit dem pädophil angehauchten Pfarrer, der in der Pfarrstube den jungen Knaben Pornofilmchen zeigt? Den kann man ebenfalls nicht festnehmen, er hat sich an den Jungs ja noch nicht sexuell vergriffen. Aber wenn nur einmal ein Halb-Deutscher den heiligen Krieg beschwört, landet er Stunden später in U-Haft. Eine rechtsradikale Partei wie die DVU oder REP könnte sich kein stärkeres und gründlicheres Staatsorgan wünschen.
Ja, man muss einen Terrorverdächtigen bereits schon vorher festnehmen - bevor er einen möglichen Anschlag verüben könnte. Nein, ein Terrorverdächtiger ist auch nur ein normaler Mensch, welcher nur zum Verdächtigen wird, weil wir alles was nach Terror riecht, festnehmen müssen. Man muss das Wort Terror in Verbindung mit Gefahr nur ständig genug wiederholen. Dann schafft man es nicht nur jegliche Überwachungsmaßnahme durchzuwinken sondern dann kann man bald auch jeden festnehmen, der nicht ins politische Bild eines sauberen und/oder sicheren Staates passt.
Übrigens, falls Sie es schon wussten: gerade im überwachten und paranoiden London geschehen ab und an immer wieder Anschläge. Da stellt sich die spannende Frage: hätten diese Anschläge verhindert werden können, wenn man die Überwachung verstärkt hätte? Oder lassen sich mögliche Anschläge einfach nicht verhindern?
Die Finanzkrise ist halb so schlimm
Der gewöhnliche Häuslebesitzer in den USA weiß derzeit nicht, wie er seinen nächsten Kredit bekommen soll. Die größten Investmentbanken der USA liegen zerstört am Boden. Die amerikanische Regierung wollte ein 700 Milliarden US-Dollar schweres Rettungspaket für die Bankenkrise schnüren, doch die Kongressmitglieder haben dem Plan auch im zweiten Anlauf eine Absage erteilt. Und um die Unsicherheit noch größer werden zu lassen, haben sie sich erst einmal in einen Kurzurlaub verabschiedet. Soll dieses Problem doch der nächste US-Präsident mit seiner Mannschaft klären.
In Deutschland sieht es nich viel besser aus. Die KfW Bankengruppe (früher: Kreditanstalt für Wiederaufbau) hat sich an der amerkanischen Finanzkrise ebenfalls verspekuliert. Auch der Hypo Real Estate ist “ganz unerwartet” das Geld ausgegangen. Die Bundesregierung möchte mit 25 Milliarden Euro die Investment-Bank retten; um auf dem internationalen Finanzmarkt deutsche Stärke zu demonstrieren. Auch andere Landesbanken und selbst die Sparkassen leiden mit an der Krise. Doch von überall kommen die warmen und beruhigenden(!?) Worte: Alles halb so schlimm. Das gröbste haben wir hinter uns.
Über dem Silicon Valey kreist schon seit längerem der Pleitegeier. Das kalifornische Tal gilt als Richtungsweiser für Zukunftstechnologien und in den letzten Jahren war das Thema Finanzprobleme eher eine Randerscheinung. Der Kurs der Microsoft-Aktie büßte in den letzten 8 Monaten 30 Prozent seines Wertes ein. Für Google ging es in den letzten 8 Monaten gar 55 Prozent nach unten und bei Apple beträgt der Verlust im Aktienwert sogar knappe 60 Prozent. Alles halb so schlimm?
In Deutschland ist die Lage nicht viel anders. Die Aktie der Allianz verringerte ihren Wert in den letzten 8 Monaten um über 35 Prozent. Bei Daimler ging es ca. 50 Prozent in den Keller und bei der Commerzbank stürzte der Aktienkurs gar über 60 Prozent nach unten. Wirklich nur alles halb so schlimm. Keine Panik.
Natürlich kommen an den Börsen dieser Welt auch wieder bessere Zeiten. Doch was zeigt uns die Krise? Die jahrelangen 20, 50 oder gar 100 Prozent Renditechancen waren alles erlogene und erkaufte Hütchenspiele. Das Geld musste vorne nur schneller reinkommen als man es hinten wieder zur Verfügung stellen musste. Selbst Jugendliche kennen heute bereits das Schneeballsystem und sind gewarnt davor. Nur die Finanzjongleure an den Börsen und in den Banken kannten dieses raffgiere System noch nicht. Halb so schlimm. Jetzt kennt der Finanzmarkt ein paar wichtige Banken weniger und die angehäuften Schulden werden von den Bürgern bezahlt. So einfach macht man Big-Business.
Geld kann sich leider nicht schneller vermehren, wie es entsteht. Die Notenbanken sollten es am besten wissen, welchen Geldzuwachs es in einem Land gibt. Doch hier hielt man sich bedeckt und hoffte auf das lange Spiel: vergib Kredite und kassiere Zinsen dafür. Ein Staat auf Pump funktioniert allerdings über einen längeren Zeitraum ebenso wenig wie auf Pump finanzierte Unternehmen oder Privatpersonen. Ab sofort müssen alle bei der Raffgier nach Geld einen ganzen Gang zurück schalten; dies ist allerdings nicht einmal ein Fehler.
Seppi: “Sag mal Koalition”
Die CSU muss nach 38 Jahren Alleinherrschaft sich im Bayerischen Landtag an eine Koalition gewöhnen. Jahrzehnte lang konnte man nach Gutsherrenart ganz alleine regieren. Nun muss man sich mit dem politischen Gegner auseinander setzen.
Dass in Bayern normalerweise alles so bleibt wie es ist, gilt als ungeschriebenes Gesetz. Das Bayerische Fernsehen hat in seiner Sendung “Quer” vom 25.09.2008 den ethnologischen Ur-Bayer mal gehörig auf die Schippe genommen. Der Volkskundler “Dr. Empiricus” hat dazu den Seppi - die Spezie Bayer - genauer untersucht.
“Seppi, soag doch o’mol Koalition”. “Koa .. koa .. koaha .. Kon’ I net sang”.
Doch schaut selbst. Das kleine Video ist ein seltenes Beispiel für humorvolles und selbstkritisches Fernsehen der Öffentlich Rechtlichen Fernsehanstalt Bayerns.
Viel sinnfreies Blabla um den schwulen TV-Sender TIMM
Es gibt mal wieder etwas Neuses zu berichten über TIMM, den ersten und einzigen deutschen TV-Sender speziell für Schwule und Lesben.
In einer Presseerklärung heißt es, dass man nun defintiv zum 1. November mit dem Vollprogramm im Fernsehen starten möchte. Der Start des Senders wurde in der Vergangenheit mehrmals verschoben. Ursprünglich hätte es bereits Mitten letzten Jahres losgehen sollen.
Viel heiße Luft kommt zudem vom Geschäftsführer und Programmdirektor von TIMM, Frank Lukas. In einem Statement betont er: “Wir sehen uns nicht nur als TV-Sender, sondern als mediale Plattform. [..] Wir erschaffen eine Welt, in der die schwule Zielgruppe nicht mehr suchen muss, sondern findet, was sie sucht, weil wir für sie vorselektiert haben.” Man möchte bei TIMM nicht nur den Vertriebsweg über das Fernsehen sondern zusätzlich auch im Bereich Print und Internet tätig sein sowie Radiostreams anbieten. Noble Worte von Herrn Lukas. Doch mal im Ernst: das machen andere Sender schon seit Jahren so; selbst die Öffentlich-Rechtlichen TV-Anstalten setzen auf ein Zusammenwirken der unterschiedlichen Medienplattformen. Dies ist nicht sonderlich erwähnenswert und auch keine Heldentat von TIMM. Es ist eher Normalität im Medienbereich.
Bei der Namensgebung der Sendungen hat man kein glückliches Händchen bewiesen. Zu sehr setzt man auf verdrehte Wortkombinationen und auf ausgelutschte, englische Bezeichnungen. Da TIMM (vorerst) nur in deutscher Sprache ausgestrahlt wird, verstehe ich nicht ganz, wieso man ein Datingformat unbedingt “Homecheck” nennen muss; wieso nicht gleich “Bodycheck“? Und das Reisemagazin wir als “Upgrade” in den TV-Zeitschriften zu finden sein. Die englisch bezeichnte Aufrüstung ist sprachlicher Unsinn. Hoffen wir darauf, dass man zumindest im Magazin selbst nicht zu sehr aufrüstet. Daneben gibt es ein all abendliches Magazin mit dem Titel “Timmtoday” und einen Nachttalk mit dem verdrehten Namen “Timmousine“. Die Timmousine wird in einem Taxi aufgezeichnet. Welch neue und frische Idee. So etwas gab es vorher noch nie
Nur für Schwule und für alle anderen.
Beim Sender ist man sich indes noch nicht ganz klar darüber, wen man mit dem Programm nun erreichen soll. Programmdirektor Lukas spricht von einem Programm, welches sich explizit auf ein schwules Publikum positioniert. Chefredakteur Herr Hick hingegen spricht von einem Programm, dass sich nicht nur an schwule Männer richtet: “Wir laden besonders Freunde und Familien schwuler Männer und natürlich Frauen ein, Timm einzuschalten und lieben zu lernen.” Es ist interessant, eine solch klare Ausrichtung zu sehen.
Der Schwulensender TIMM muss sich in einem harten Umfeld beweisen. Auch wenn man in der Produktion auf kleiner Flamme kocht und keine großen Ausgaben hat, so hängt das Wohl des Senders maßgeblich von den Werbeeinnahmen ab. Ein Vollprogramm mit ausschließlich schwul-orientiertem Inhalt ist zwar ein ehrenwertes Engagement, doch auf Dauer kann sich diese Spezialisierung auch als Bumerang erweisen. Es gibt in Deutschland bereits unzählig viele Spartensender vom Koch-Kanal angefangen bis hin zum Handwerker-Treff. Doch in den allermeisten Fällen laufen dort Sendungen in einer Dauerschleife; weil neu produzieren ist teuer, wiederholen hingegen ist günstig. Damit bindet man allerdings keine Stammzuseher. Wie lange wird TIMM auf Sendung bleiben? 12 Monate? Kürzer - oder gar länger?
Das Problem mit den TV-Lizenzen
Es steht ein europaweiter Ärger mit den TV- Lizenzen ins Haus. Die Grundverschlüsselung aller TV-Angebote wird kommen. So viel ist sicher. Grund ist ein Schreit mit der EU-Medienkommission. Eine britische Wirtin wollte statt dem landeseigenen TV-Programm der BSkyB das kostengünstigere Modell einer griechischen TV-Anstallt nutzen, um in ihrem Lokal die Spiele der englischen Premiere League zeigen zu können. Nun klagt die englische Premiere League vor dem europäischen Gerichtshof auf Durchsetzung der nationalen TV-Lizenz.
Die Entscheidung vor Gericht steht noch aus. Aber schon jetzt ist abzusehen, dass die Richter auf eine Grundverschlüsselung drängen. Und dies nur um den Inhabern der Programm- und Sportlizenzen zum ihren nötigen Recht zu verhelfen. Dies könnte eine Revolution im europäischen Fernsehmarkt bedeuten, allerdings eine für den Verbraucher bzw. Fernsehzuschauer nachteilige Entwicklung. Die TV-Anstalten in ganz Europa wären angehalten, ihr Programm zu verschlüsseln. Nur auf diese Art könnte sicher gestellt werden, dass ein Spanier nicht frei und umsonst das Programm der englischen BBC empfangen könnte.
Die Rechteinhaber hätten endlich jenes Machtinstrument in der Hand, welches bereits bei DRM-verschlüsselten MP3-Dateien oder mit Kopierschutz versehenen Audio-CDs versagt hat. Die großen Rechteverwalter kommen nicht von dem Wunsch ab, nur mit der totalen Kontrolle über ihre Inhalte die Millionen auf dem Firmenkonto verdoppeln zu können. Die Chefin von RTL, Anke Schäferkordt, wittert bereits Morgenluft. Denn mit einer Entscheidung aus Brüssel wäre der Weg zur Grundverschlüsselung von ganz oben legitimiert. Für RTL und andere Medienkonzerne würden sich damit völlig neue Möglichkeiten in der Lizenzierung von Medienrechten ergeben.
Es klingt zunächst wie eine hohle Drohung, doch die endgültige Macht liegt beim Zuschauer. Wenn der TV-Konsument nicht bereit ist, für Unterschichten-Sendungen und öde Werbeunterbrechungen einen Obolus zu bezahlen, bleibt die Flimmerkiste dank verschlüsseltem TV-Bild einfach aus. Dann liegt die Einschaltquote eben fern ab jeglicher Wirtschaftlichkeit der Sender. Ob sich dies am Ende für die Medieninhaber und die TV-Sender rechnet? Man sollte solche Rechnungen nie ohne den Gast machen.
McCain - der heuchlerische Retter der US-Nation
Die USA befinden sich mitten in einer Rezension und dann kollabiert letzten Freitag auch noch der Aktienmarkt. Die amerikanische Regierung hat hierfür eine ganz pragmatische Lösung: man pumpt einfach 700 Milliarden Dollar in den Finanzsektor; staatliches Geld versteht sich. Die Zeche zahlt der amerikanische Steuerzahler.
Und nun steigt wie die Phönix aus der Asche der republikanische Präsidentschaftskandidat hervor und kündigt seine Mithilfe an. Just in dem Moment wo Wahlumfragen nach Wochen endlich wieder Barack Obama an der Spitze sehen. Und just in dem Moment als das erste TV-Duell (26. September, 3:00 Uhr MEZ) vor der Tür steht.
John McCain setzt mit sofortiger Wirkung sein Wahlprogramm außer Kraft. Die Mithilfe in dieser dringlichen Lage sei wichtiger als jede Wahl - so seine Aussage. Er möchte sich mit Vertretern der Regierung zusammen setzen, um über das Hilfeprogramm zu entscheiden bzw. mit zu reden. Auch Barack Obama solle sich an dieser Initiative beteiligen. Eine Stellungsnahme des demokratischen Kandidaten steht noch aus. Auch ist noch nicht sicher, ob das TV-Duell verschoben wird.
Was möchte McCain damit erreichen? Und wieso mischt er sich überhaupt in Dinge des Kongresses ein, wo er gar keine relevante Stimme hat? Liegt es in seiner strategischen Planung, möglichst früh den designierten Nachfolger George W. Bush zu mimen? Oder haben ihm seine Berater den Tipp gegeben, sich einfach ins Thema einzumischen, um damit Barack Obama den rethorischen Wind aus den Segeln zu nehmen?
Meiner Meinung nach, hat er auf dem Trümmertreffen der Finanzakteure nichts verloren. Er sollte sich vielmehr zielgerichtet seinem Wahlprogramm widmen. Denn gewählt wird am 4. November so oder so. Auch wenn aus McCains Lager dazu die ersten Bedenken kommen. Nach deren innigsten Wünschen soll die Wahl zur Präsidentschaft verschoben werden. Die Krise im Land habe Vorrang.
Es ist die bis dato peinlichste Nummer von McCain. Er gibt den Retter der Nation, welcher nach dem 4. 11. das Land aus der “Scheiße” ziehen soll. Mit dem eiligst ausgesetzten Wahlprogramm möchte er und sein Team von den sinkenden Umfragewerten ablenken. There’s no business like show business. Und bevor die McCain-Show schon vorzeitig zu Ende ist, greift man zur inszenierten Show des Retters.









