Das sinnlose Aus für den Flughafen Berlin-Tempelhof


Politik ist so eine Sache. Vieles versteht man gar nicht, vieles bleibt trotz ausreichender Erklärung ein böhmisches Dorf und bei manchen Entscheidungen kann man nur mit dem Kopf schütteln.
Der Flughafen Berlin-Tempelhof wird auf Geheiß der Regierung im Oktober 2008 für immer geschlossen. Verständnis kann man für die Entscheidung allerdings nicht aufbringen. Zu viele gute Gründe sprechen gegen eine Schließung des City-Airports.

Flughafen Berlin Tempelhof
© Reuters

Wer die Schließung des Airports Tempelhof möchte …

  • Manfred Stolpe (SPD): er ist einer der ‘Architekten’ des neuen Großflughafens BBI in Schönefeld und verfügte mit seiner Unterschrift die Schließung Tempelhofs.
  • Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU): sie war im Berliner Wahlkampf 2006 noch eine Verfechterin des Flughafens Tempelhof. Mittlerweile schweigt sie dazu nur noch.
  • Wolfgang Tiefensee (SPD): als Bundesverkehrsminister hat er schlicht kein Interesse an einer Diskussion zum City-Flughafen.
  • Klaus Wowereit (SPD): er hat sich für den neuen BBI vielfach engagiert. In einer Offenhaltung des Tempelhofers Flughafen sieht er juristische Gefahren für das Großprojekt in Schönefeld.
  • Matthias Platzeck (SPD): er fühlt sich nicht zuständig betont aber stets die Wichtigkeit des Großflughafens BBI-Schönefeld als Jobmaschine und Motor für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes.
  • Eberhard Diepgen (CDU): auch er unterzeichnete den Konsensbeschluss zur Schließung von Tempelhof.

… und wer gegen die Schließung ist

  • Eric Schweitzer: als Präsident der Industrie- und Handelskammer zu Berlin gibt er zu bedenken, dass durch die 300 Millionen-Euro-Investition bis zu 1000 Arbeitsplätze entstehen könnten. Darüber hinaus wäre der City-Airport eine gute Entlastung für den Großflughafen Schönefeld, da in Tempelhof die vielen kleinen Privatjets starten und landen.
  • Hanns Peter Nerger: als Tourismuschef von Berlin kann er die Entscheidung nicht verstehen, wieso man eine solch große Investition gegen die Wand fahren lässt.
  • Friedbert Pflüger (CDU): er findet das Konzept für die ‘neue’ Flughafen-Klinik mehr als durchdacht und überzeugend. Für ihn macht die Schließung keinen Sinn.
  • Martin Lindner (FDP): er ist von der Berliner Regierung mehr als enttäuscht. Wenn irgendwo 1000 Mitarbeiter entlassen würden, schimpft man auf die Unternehmen. Hier werden dagegen 1000 neue Arbeitsplätze verhindert; für ihn nicht nachvollziehbar.

Gutes Konzept - schlechtes Ende
Die US-Investorengruppe rund um den Milliardär Ronald S. Lauder und Fred Langhammer planen auf dem Flughafengelände ein ambulantes Gesundheitszentrum und eines der modernsten Diagnostikzentren der Welt. Dafür würden sie ca. 350 Millionen Euro in den Umbau investieren.
Die alten Flughafengebäude, welche zum größten Teil unter Denkmalschutz stehen, sollten erhalten und in das Konzept mit integriert werden. Das riesige Gelände würde nicht sinnlos brach liegen und der innerstädtische Flughafen könnte sogar den Großflughafen in Schönefeld entlasten. Privatjets und Kleinmotorflieger hätten in Tempelhof die besten Voraussetzungen für einen ungestörten Flugbetrieb - weit weg aller Jumbojets, Überseeflieger und Mega-Airliner.

Kampf gegen regierende Windmühlen
Die Regierung ist indes ‘not amused’, dass die Investoren sich nun sogar mit einem offenen Brief an die Berliner Bürger wenden. Den Berlinern wäre ein weiterer Betrieb des Flughafens Tempelhof sogar ziemlich egal. Sehr viele begrüßen die Investition und finden das Konzept passend für die Spree-Metropole. Eine Schließung des Flughafens möchten die meisten Berliner nicht, obwohl die allerwenigsten ihn jemals benutzt haben.
Die Politiker schalten auf stur. Sie bleiben bei der Schließung. Anscheinend sind ihnen die 1000 Arbeitsplätze egal. Man möchte insgeheim den neuen BBI durch nichts und niemanden gefährden. Eine echte Gefahr geht allerdings von dieser Fehlentscheidung aus. Die Stadt Berlin zahlt lieber jährlich mehrere Millionen Euro für einen geschlossenen Flughafen nebst angrenzendem Brachland.



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Leserkommentare

[...] Oktober 2008 soll Schluss sein mit dem Flugbetrieb und auch so grundsätzlich für den Flughafen samt Gebäude und Gelände. Dies ist der Wille [...]

Hallo,

auch wenn ich nicht aus Berlin stamme, auch nicht dort wohne, interessiert mich ein Thema wie die (eventuelle) Schließung des Flughafens Berlin Tempelhof.
Allein meine Erfahrung als Flughafen naher Anwohner würden mich schon eher zu einem ‘Nein’ bewegen. Nachdem ich mir aber sämtliche maßgeblichen Argumente für und wieder den Flugbetrieb (Hier geht es insbesondere um diesen! die Gebäude, also was den Flughafen Tempelhof ausmacht, sollen ja bestehen bleiben) ausgiebig angesehen habe, komme ich nicht umhin, die Meinung der Berliner ‘regierenden Windmühlen’ zu verstehen!
Es könnten, vielleicht, 350Mio Euro investiert werden, von einem US Investor. der vielleicht auch 1000 Arbeitsplätze schafft (für ein Altershotel von zahlungswilligen Amerikanern? ) oder aber es könnte Platz für 1000de Berliner zum leben, arbeiten und wohnen geschaffen werden. Und dass ohne die Gefahren, die durch möglicherweise unerfahrene Hobby- und Kleinflugzeugpiloten beständig heraufbeschworen würden.

Mit schönen Grüßen aus Thüringen

Wir haben eine bewegte Geschichte, die uns auch einige angenehme Ereignisse gebracht hat.Geschichtsbewältigung sollte mit Leben gefüllt werden und nicht, wie hier, einfach “Tot”-gemacht werden. Vepasste Chance!!!!!!!!



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