Eurovision Song Contest - besser als Musikantenstadl?


Dabei sein ist alles. Dies werden sich wohl auch zu Ende des diesjährigen Eurovision Song Contest die meisten Künstler sagen. Dabei sein ist alles, ist wohl auch das einzige, was noch beim Eurovision Song Contest möglich ist. Das Musik- und Eventspektakel (mit wechselndem Austragungsort) ist schon lange nicht mehr die Sendezeit wert, welches es bei der ARD genießt. Der Eurovision Song Contest ist zu einem Musikantenstadl der Ostblock-Staaten mutiert.

Wer am Ende gewinnt wird schon seit längerem nicht mehr an der musikalischen oder künstlerischen Größe gemessen. Die östlichen Staaten Europas schieben sich gegenseitig die Punkte zu und lassen damit alle westlichen Staaten hinter sich. Nun könnte man sagen, macht doch nichts. Bei einer demokratischen Wahl wäre es nicht viel anders. Vielleicht schmerzt es deshalb so sehr in der künstlerischen Brust, weil Deutschland, Frankreich, das Vereinigte Königreich sowie Spanien jährlich den Eurovision Song Contest finanzieren und die restlichen Staaten nur als “parasitäre” Teilnehmer die Gewinne einheimsen. Beim NDR, dem deutschen Finanzier des Eurovision Song Contest, gibt man sich beim Thema Kosten gedeckt. Auf der Seite des NDR heißt es nur lapidar, dass die Kosten durch das Televoting gedeckt werden. Dies kann man nun glauben oder nicht, schließlich sind unsere deutschen Rundfunkanstalten nicht dazu verpflichtet, über ihre einzelnen Projekte Buch zu führen.

Wohin der Eurovision Song Contest momentan geht, erkennt man mit einem kurzen Blick auf die Auftritte der teilnehmenden Staaten: Deutschland präsentiert einen etwas schief gesungenen Titel der “No Angels”, Finnland tritt mit einem mutig aber umpassenden Heavy-Metal Auftritt auf, Lettland bedient die Zuseher mit einem eher komödiantisch anmutenden Piraten-Dance-Song und auch viele andere Staaten präsentieren eher bunten Showzirkus als ernst zu nehmende Gesangseinlagen. Es darf die berechtigte Frage gestellt werden, wo der Eurovision Song Contest sich noch von einem durchschnittlichen Musikantenstadl unterscheidet.

Und dann ist da noch die abschließende Frage, wer alles beim Eurovision Song Contest teilnehmen kann und darf. Aserbaidschan mit ihren kreischenden Engeln in weißen Kostümen ist hierfür so ein Beispiel. Die European Broadcasting Union (EBU) ist der Veranstalter des Eurovision Song Contest und somit verantwortlich für die Auswahl der teilnehmenden Staaten. Das Nachrichtenmagazin DWDL geht in einem aktuellen Beitrag auf Zeitreise und analysiert, wie weit die Grenzen der European Broadcasting Union gehen bzw. in frühen Jahren gingen. DWDL kommt zu dem Ergebnis, dass somit eigentlich auch der Irak, Algerien, Tunesien, Libyen, Ägypten, Libanon und Jordanien teilnehmen könnten. Ist dies im Sinne des Eurovision Song Contest? Sollten wir für die Zukunft den Titel der Veranstaltung dann nicht ändern in International Musik-Party?

Der Eurovision Song Contest in der jetzigen Form gleicht einer Farce. Vier große Staaten zahlen die Kosten für das große Fest, die Gewinner kommen statt dessen schon seit Jahren aus den anderen Staaten. Wieso beteiligt sich nicht jedes Land prozentual an den Kosten? Und wieso gibt es keine Reglementierungen für die Sprache der Songs? Wäre es nicht gerecht, wenn alle Teilnehmer in ihrer landestypischen Sprache singen müssten? Der Eurovision Song Contest verbindet oder spaltet die Nationen und Meinungen. Entweder findet man diesen Showzirkus abstoßend oder richtig klasse. Doch eine künstlerische Vereinigung der Völker sollte eigentlich anders aussehen als der Eurovision Song Contest.

Nachtrag:
Nach dem Eingang der Stimmen aus dem Televoting wird klar, dass die Finanziers des Eurovision Song Contest auf den abgeschlagenen hinteren Plätzen landen. Deutschland, England, Spanien und Frankreich sollten sich ernsthaft für die Zukunft fragen, ob sie diesen Quatsch noch weiter finanziell unterstützen sollten. Entweder sollten wir zukünftig unsere Erwartungen massiv senken oder mehr in Richtung Klamauk-Bummbumm-Song denken. Oder doch nur lapidar: dabei sein ist alles.



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